Eine erfreuliche Begegnung

Was darf’s sein?“

Zwei Espressos bitte, vielen Dank.“

Das war so schön heute Abend. Eine tolle Überraschung, die John für mich hatte: ein Theaterbesuch! Ich liebe Theater und diese Inszenierung war dermaßen brillant. Und all die Zuschauer. Alle so fein gekleidet - so wie wir ja auch. Ja, das ist meine Welt…

Oh nein! So was Blödes! Der Espresso ist viel zu heiß und jetzt habe ich mir die Zunge verbrannt. Nur nichts anmerken lassen und Haltung bewahren. Wie immer.

Schade, dass es hier so leer ist, ich hätte mich so gerne mit anderen Personen unterhalten. John ist zwar ein wirklich toller Ehemann, so oft wie er mich ins Theater einlädt, aber er ist echt wortkarg. Anders als ich. Leider.

Wieso ist es nur so still in dieser Bar?! Es ist zwar schon Nacht und nach 0 Uhr, aber wo bleibt das Nachtleben? Schon schade. Ob ich vielleicht mit diesem Herren sprechen soll, der da auch an der Bar sitzt? Ach nein, John wäre nur eifersüchtig. Aber wieso schaut der Herr denn dauernd hin und her? Hm… Naja, es gibt schon seltsame Menschen.

Na super! Jetzt hat John schon wieder dieses heiße Getränk bestellt. Also noch einmal Zunge verbrennen für mich. Es ist manchmal echt schwierig den Ansprüchen einer feinen Dame zu entsprechen. Aber es lohnt sich. Dieses Theater hätte ich ja sonst nicht besuchen können.

Hey, ich will noch einen Rotwein!“

Tss, so ein unhöflicher Mann. Man sollte mit älteren Herren wie dem Mann hinter dem Tresen doch etwas höflicher sprechen. Wahrscheinlich fühlt der seltsame Mann sich einfach nur viel besser als alle anderen. Tja, ist er aber nicht. Pech für ihn.

In Ordnung, ich müsste den aber noch aus dem Keller holen.“

Oh jetzt ist der Kellner weg. Wie bitte? Was macht dieser unhöfliche Mann denn jetzt? Wieso steht der denn auf und geht hinter die Theke? Wenn der zur Toilette muss, ist er da falsch. Auch John sieht verwirrt aus. Da, jetzt kommt der Barkeeper zurück.

Hey, was machen Sie…“

Oh mein Gott, der unfreundliche Mann hat dem lieben alten Barkeeper ins Gesicht geschlagen. Was soll ich denn jetzt nur tun???

Hysterisch meine vornehme Haltung vergessend schreie ich auf. Mitten im Schrei spüre ich einen dumpfen Schlag und alles wird schwarz.

Au. Mir ist so schwindelig, und mir tut alles weh. Was ist denn passiert???

Und wieso hat John ein blaues Auge? Ach ja, es fällt mir wieder ein. Dieser Mann, der da hinter der Theke herumgeschnüffelt hat, hat mir ins Gesicht geschlagen und dabei bin ich wohl vom Stuhl gefallen… So ein extrem unhöflicher, gemeiner, unerzogener Mensch! Einer Frau schlägt man doch nicht ins Gesicht – und überhaupt, mich schlägt man doch nicht! Ich fasse es nicht! Und wieso passieren so unschöne Sachen denn immer nur mir? Toll, jetzt ist mein Gesicht bestimmt ganz verunstaltet. Wie soll ich denn so je wieder ins Theater gehen? Das Leben ist so ungerecht!

Oh, da ist auch der Kellner - mit einer aufgeplatzten Lippe und einer fetten Beule. Der schaut so ungläubig in die Kasse.

Das kann ja wohl nicht wahr sein! Dieses Biest hat mein gesamtes Geld gestohlen!“

Oh und unser Geld hat er auch noch gleich mitgehen lassen. Super!

Das war echt eine erfreuliche Begegnung.