Und alles war Dunkel

Ich lief durch die dunklen Straßen, vorbei an geschlossenen Geschäften, die nachts verlassen und traurig wirkten. Ich hatte einen langen Tag hinter mir, ich kam von dem Ort, an den ich nicht so schnell wieder zurückkehren würde. Obwohl ich äußerst müde und gestresst war, wollte ich noch nicht nach Hause. Nicht wissend, was ich finden werden würde, ging ich orientierungslos weiter. Plötzlich bemerkte ich an einer Straßenecke ein Licht, auf das ich sofort zuging, wie eine Motte. Es war eine Bar, die zu dieser späten Zeit noch offen war. Vielleicht konnte man dort noch etwas trinken. Durch das große Fenster sah ich den Barkeeper, der gerade mit seinen Gläsern beschäftigt war, und am Tresen einen Mann und eine Frau. Letztere war mit einem roten Kleid sehr auffällig bekleidet. Sie unterhielten sich sehr angeregt, doch ich hörte nicht hin, worüber, es interessierte mich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht. Nachdem ich eingetreten war, stellte ich mich mit einigem Abstand zu den beiden ebenfalls an den Tresen und sprach den Barkeeper an: „Einen doppelten Whiskey, bitte.“ Er verstand, und während ich ihn daraufhin trank, dachte ich noch einmal an die Ereignisse des vergangenen Tages. Da fing der Alkohol schon an zu helfen; ich wollte das Geschehene einfach vergessen.

Nach einiger Zeit war das Glas leer, doch ich hatte noch nicht genug. Vielleicht würde noch ein Whiskey gut tun, und das tat er dann auch. Meine Gedanken wurden wirrer und ungenauer, so konnte ich mich allmählich beruhigen. Als das Paar schließlich das Gebäude verließ, bezahlte auch ich und ließ das halb volle Glas stehen; ich vergaß schlichtweg es auszutrinken. Wieder auf der verlassenen Straße, war ich ein wenig benebelt und versuchte vergeblich, mich an den Weg zu erinnern, den ich gegangen bin. Ich blickte den beiden fremden Personen hinterher und sah aus den Augenwinkeln ein Auto. Ich drehte meinen Kopf und sah ihm zu, wie es mit grellen Scheinwerfern in die Richtung von mir und den Beiden fuhr. Es passierte zuerst mich, doch als es neben den Anderen vorbeifuhr, machte es eine Vollbremsung. Ich nahm das alles nur wie aus der Ferne wahr und beobachtete erstaunt, wie sie sofort versuchten loszulaufen. Sie drehten sich zu mir um und riefen mir etwas zu, doch ein Mann stieg schnell aus und schaffte es, die Frau festzuhalten, den anderen erwischte er jedoch nicht. Er schob sie in den Wagen blickte mich an. Ich konnte die Frau schreien hören und begann um meine Freiheit zu fürchten, doch in dem Moment stieg auch der Mann ein und das Auto fuhr hastig weiter. Bald war das Auto, ebenso der rennende Mann, aus meinem Blickfeld verschwunden, doch ich blieb. Der Effekt des Alkohols verhinderte jedoch, dass ich verstand, was ich gesehen habe, ich bezweifelte jedoch, ob ich es auch ohne ihn verstanden hätte. Ich ging wieder los und fand mich bald wieder an einer bekannten Straße, der ich zu meiner Wohnung folgen konnte.