Wie lange noch?

Wann werde ich denn endlich abgelöst? Sie hatten jeder schon zwei Baileys, zwei Aperol Spritz und die dritte Flasche Weißwein haben sie gerade bestellt. Wo ist sie denn? Ah, da. Die langweilige Musik im Hintergrund übertönt nicht das Klirren der Gläser. Sie sind so still, haben sie sich denn nichts zu sagen? Es muss irgendwas vorgefallen sein, sonst würden sie sich ja wenigstens angucken. Die Eingangstür öffnet sich und lässt die Klingel über der Tür läuten. Wie ich dieses Geräusch über alles hasse. Besonders schlimm ist es gegen 21 Uhr, wenn es brechend voll wird. Da läutet sie über 20 Mal in der Minute. Ohne diese Glocke wäre es halb so schwer das alles hier auszuhalten, ich weiß auch nicht, wie lang ich das hier überhaupt noch machen werde. Zum Glück kann die Überwachungskamera in der Ecke meine Gedanken nicht aufzeichnen, denn mein Chef beobachtet von zu Hause aus jeden einzelnen Handgriff. Ach, da kommt Heino, der will doch immer nur ein Paar Shots und geht dann wieder. Mein Rücken tut so weh! Könnten wir den Kühlschrank nicht endlich mal auf Augenhöhe stellen, irgendwann muss ich noch zur Physiotherapie. Ich liebe es Heino zuzusehen, wie er jedes Mal das Glas sofort runterkippt und ich ihm dann sofort nachschenken darf. 1, 2, 3, 4,... Ich hab keine Lust mehr zu zählen. Er bedankt sich, bezahlt 4 Shots und geht wieder. Das ist seine Routine jeden Abend und das ist auch das einzige, was ich vermissen werde. Ich halte einen Moment Inne. Jetzt – der Anruf – endlich Freiheit.