Der Bruder

Er läuft durch den Wald und der Karren wackelt. Die oberste Kiste schaukelt und die Bierflaschen klirren laut. Er telefoniert dabei. „Ja, ich werde bald da sein. Natürlich habe ich die Flaschen. Ja, das Bier ist noch kalt. Nein, ich bin noch im Wald. Ich bin gleich da.“ Er seufzt. Der Anzug seines Bruders, den er trägt, juckt auf seiner Haut. Der Mann stellt die Sackkarre ab, zieht seine Jacke aus, bindet sie um. Klirr, macht es. Er stolpert einen Schritt zurück. Das Bier. Da hatte der Verkäufer doch extra noch gesagt, er müsse mit den Kästen aufpassen. Die oberste Kiste liegt auf dem Boden, die Scherben sind verstreut und es bildet sich eine schäumende Pfütze. Der Mann stöhnt und setzt sich auf einen Baumstamm neben dem Weg. Die Feier. Der Vater hat Geburtstag und wartet auf Bier. Er hatte doch versprochen, ihn dieses Mal nicht zu enttäuschen. Aber Stefan, der Bruder, ist ja schon da. Der Vorbildliche, der Liebling, der Tolle. Und er muss die Kisten bringen. Kann er denn nicht die Gäste begrüßen? Vierzig Jahre ist doch alt genug, außerdem ist er der ältere. Der Mann nimmt das Telefon und wählt. Er wartet auf Stefans Stimme auf der anderen Seite der Leitung. Besetzt. Wütend tippt er eine Nachricht. Der Mann setzt sich wieder, ohne auf den Anzug zu achten. Im Grunde mag er Stefan sehr. Er ist eben der Bruder. Sie mochten sich immer. Nur seit dem Tod der Mutter ist Stefan der Beste. Ein Pling zerreist die Stille im Wald. Das Nachrichtensignal seines Handys. Natürlich, von Stefan. Was ist los, liest der Mann. Warum kann Vater nicht wann anders Geburtstag haben, denkt er sich. Warum jetzt? Es wurde ihm einfach zu viel. Dann noch die Arbeit. Er wischt sich die Nase mit dem Jackenärmel ab. Da steht der Bruder vor ihm.