Der verborgene Pfad

Kleine Schweißtropfen bildeten sich an seiner Stirn und rannen langsam über seinen Nasenrücken herab. Allmählich stieg Panik in Herrn Winter auf und sein Atem begann schwer und stoßweise zu gehen. Nervös schaute er sich zum wiederholten Mal nach allen Seiten um und musterte eingehend die Umgebung sowie die Landschaft, so als würde er dort auf die richtige Antwort hoffen. Schon seit mehr als einer Stunde, die sich für ihn unendlich anfühlte, irrte er ziellos im Wald umher. Dabei war gerade heute ein Tag, an dem er besser nicht zu spät kommen sollte! Aufgewühlt schaute Herr Winter auf seine Uhr und sog scharf die kühle Herbstluft ein. In bereits weniger als einer viertel Stunde sollte seine jüngste Tochter verlobt werden und zu allem Überdruss war er auch noch für das Menü der Veranstaltung verantwortlich. Warum musste das Fest aber auch auf einer abgeschiedenen Lichtung stattfinden und warum, musste der Pfad, der dort hinführen sollte, so weit verborgen im Dickicht des Waldes liegen? Das wäre zu diesem Zeitpunkt allerdings nur schwerlich zu ändern gewesen, also seufzte Herr Winter tief und kramte daraufhin hektisch in der seidenen Tasche seines Designeranzuges, den er eigens für diesen Anlass aus den Tiefen seines Schrankes gezerrt hatte. Schließlich tippte er hastig die ihm bestens bekannte Nummer in den Display ein und wartete ungeduldig einen Moment. Doch anstatt der erwarteten Stimme seines Sohnes meldete sich die ach so vertraute Aufnahme der reizenden Dame zu Wort. Sie verkündete, dass der gewünschte Gesprächsteilnehmer in diesem Moment nicht erreichbar sei. Leise vor sich hin fluchend ließ er das Handy resigniert zurück in seine Tasche gleiten. Da Herrn Winter nun nichts anderes mehr übrig blieb, versuchte er sich kläglich daran zu erinnern, wie er denn bloß hierher gekommen ist! Da ja nun jeder Baum und jeder Strauch dem vorherigen glich, orientierte er sich an den zahlreichen geschwungenen Wegen, die in alle erdenklichen Richtungen verliefen. Stück für Stück kehrten die Erinnerungen in sein Gedächtnis zurück und er sah alles klar vor sich. „Zuerst habe ich mich für diesen Gang entschieden, dann für jenen Pfad und nach einer Kurve bin ich schlussendlich an eine Gabelung des Weges gekommen...“, murmelte er leise vor sich hin. „Das ist es!“, entfuhr es Herrn Winter auf einmal, als ihm schlagartig die Lösung vor Augen leuchtete. Er hatte sich schlicht und ergreifend für den falschen Weg entschieden! Sein Enthusiasmus jedoch verschwand so geschwind wie er gekommen war, denn er musste niedergeschmettert feststellen, dass er den gesamten Weg zurücklaufen musste und das auch noch mit dieser zusätzlichen Last, die ihn viel zu viel Zeit kosten würde. Plötzlich allerdings vernahm er lautes Gelächter und Gejubel aus einiger Entfernung und so trat er näher an die Stelle